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Grafik Web Paragrafendickicht:

Vorschriften für Wohn-/Reisemobile [EUR] Vorschriften für Wohn-/Reisemobile

Die Paragrafenlage im Bereich Wohn- bzw. Reisemobile ist alles andere als übersichtlich! Selbst gestandene TÜV-Prüfer und Kontrolleure der BAG (Bundesanstalt für Güterverkehr) kennen nicht alle Sonderregelungen für diese Fahrzeuggattung. Darum erscheint es mir um so wichtiger, als Reisemobil-Fahrer bw. -halter die Bestimmungen zu kennen, um die Damen und Herren der Obrigkeit gegebenenfalls höflich auf abweichende Paragrafen und Sonderregelungen hinweisen zu können.

Gemäß der EG-Richtlinie 70/156/EWG - die seit dem 29. April 2009 durch die 2007/46/EG ersetzt wurde - fallen Reisemobile in folgende Klassen:

  • Klasse M1: zulassige Gesamtmasse unter 3,5t
  • Klasse M2: zulässige Gesamtmasse zwischen 3,5t und 5t
  • Klasse M3: zulässige Gesamtmasse über 5t

Eine Unterscheidung zwischen Wohn- und Reisemobilen ist Berlin und Brüssel ja glücklicherweise noch nicht eingefallen; mal sehen, wann so etwas kommt? Im Folgenden werde ich nur noch die Bezeichnung 'Reisemobil' verwenden, da für mich der Benutzungsschwerpunkt eben auf 'Reisen' liegt und das Wohnen eher Nebensache ist. emoticon

Verkehrszeichen 253 Verkehrszeichen 277 Die wichtigste Grenze im Bereich Reisemobile liegt bei 3,5t. Alle gewichtsabhängigen Regelungen (egal, ob in der StVO oder StVZO) beziehen sich auf Kraftfahrzeuge (nicht 'Lastkraftwagen'!) mit einer zulässigen Gesamtmasse über 3,5t. Dabei ist unerheblich, um welche Fahrzeugklasse es sich handelt. Schwere PKW oder Geländewagen fallen ebenso darunter wie Wohnmobile oder Lastkraftwagen! Ausschlaggebend ist ausschließlich die zulässige Gesamtmasse bzw. das zulässige Gesamtgewicht!

Die zweite Grenze liegt bei 7,5t. Alles was schwerer ist, muss erheblich schärfere Vorschriften erfüllen! Grund ist die angeblich wesentlich höhere Unfallgefahr (und deren Folgen) bei den Brummis. IMHO sind die hohen Unfallzahlen eher dem schlechten technischen Zustand vieler (ausländischer) Lastkraft­wagen im gewerblichen Einsatz sowie dem dort herrschenden Termindruck geschuldet!

In der folgenden Tabelle möchte ich die unterschiedlichen Vorschriften zusammen­tragen, die in Deutschland für Wohn- bzw. Reisemobile unterschiedlicher Größen gelten. Gerade dabei sind wir Lichtjahre von europa-einheitlichen Reglungen entfernt. Bei einer Reise ins Ausland müsst ihr euch also über die dort gültigen Vorschriften schlau machen. Denn auch hier gilt: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!"

Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr! (Stand: 01.03.2018)

Vorschriften für ... Wohnmobile mit zulässiger Gesamtmasse
2,8t ... 3,49t 3,5t ... 7,49t > 7,5t
Erforderlicher Führerschein Klasse B C1 / C1E 1) 2) C / CE 2)
Intervall HU/AU (nach 'Neu'-Zeit) 24 Monate 12 / 6 Monate 3)
Intervall Überprüfung der Gasanlage 24 Monate
Höchstgeschwindigkeit außerhalb geschl. Ortschaften Zeichen Zeichen Zeichen
Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen (Zeichen)
und Schnellstraßen (Zeichen)
Zeichen Zeichen 9) Zeichen
Überholverbot auf Autobahnen nein nein;
häufig über Zeichen Zeichen
Einfahrverbot in Städten Zeichen nein;
häufig über Zeichen Zeichen
Sonntagsfahrverbot (§30 StVO) nein
Sozialvorschriften gem. Verordnung (EG) Nr. 561/2006, FPersG, FPersV nein
Fahrtenschreiber (§57a StVZO) nein ja 4)
oder digit.Tachograph (ohne Fahrerkarte)
Geschwindigkeitsbegrenzer (§57c Abs.2) nein nein 10)
Zahlung PKW-Maut 5) ja
Zahlung LKW-Maut (Toll-Collect) nein nein, Befreiung sinnvoll 6)
Zahlung Maut in Österreich Vignette 7) Go-Box
Parken in Wohn-, Erholungs-, Kur- oder Klinikgebieten ja nein 8)


Anmerkungen:

  1. Führerscheine, die vor 31.12.1998 ausgestellt wurden, gelten weiterhin für Fahrzeuge bis zu einer zul. Gesamtmasse von 7,49t, jedoch mit den Auflagen der Anm.2
  2. Führerscheine der Klassen C1, C1E, C, CE, D und DE müssen ab einem Alter von 50 Jahren alle fünf Jahre erneuert werden (incl. Überprüfung der Allg. Gesundheit und Sehfähigkeit); gilt auch, wenn der 'graue Lappen' nicht umgetauscht wird!
  3. Bremsen-Sonderuntersuchung alle 6 Monate für Reisemobile nicht erforderlich
  4. Gilt nicht, wenn sie ab dem 01.01.2013 erstmals in den Verkehr kommen (§ 72 Abs. 2 Nr. 6e StVZO)
  5. Einführung vstl. 2018 oder 2019; Berechnung schadstoff- und gewichtsabhängig (wird vstl. durch Finanzamt eingezogen)
  6. Befreiung über Formular auf Toll-Collect, um Kontrollen auf Grund der Größe zu vermeiden
  7. Seit 08.11.2017 auch digitale Vignette möglich
  8. 'Regelmäßiges' Parken zwischen 22:00h und 06:00h sowie an Sonn- und Feiertagen verboten; sonst meist ok. emoticon
  9. gem. 12. AusnahmeVerordnung zur StVO vom 30. Mai 2005, ursprüngliche Befristung am 5. November 2009 wurde gestrichen
  10. Rechtlicher Graubereich: in §57StVZO sind Kraftomnibusse sowie Lastkraftwagen, Zugmaschinen und Sattelzugmaschinen mit einer zulässigen Gesamtmasse von jeweils mehr als 3,5 t genannt. In Abs.3 (Ausnahmen) sind Wohnmobile aber nicht explizit erwähnt; Klarstellung im Bussgeldkatalog